Patenschaftsgeschichten

Katja (27 J.) & Samanta (14 J.)

Katja: Als Lehrerin sehe ich täglich, welche unentdeckten Potentiale in den Jugendlichen schlummern. Als "Große Freundin" kann ich Samanta darin unterstützen, ihre Potentiale zu entfalten. Das fehlt mir in der Schule und begeistert mich am Patenschafts programm. Ihre Power stört hier keinen Unterricht, sondern ist eine Kraft, die auch mich beschwingt. Darüber hinaus sind meine Besuche bei Samanta in Neukölln wie Reisen in eine ferne Welt. Ich muss erst lernen, was es hier heißt ein 14 jähriges Mädchen zu sein.

Samanta: Wir sind eine Flüchtlingsfamilie. Ich lebe ohne meine Eltern bei meinen Großeltern. Ich habe einen großen Traum. Ich will Sängerin werden! Mit Katja habe ich eine große Freundin, die mich auf dem Weg unterstützt und mir Zuversicht gibt. Nebenbei haben wir eine Menge Spaß und gehen mal ins Kino oder ins Solarium...

Michael (40 J.) & Senad (12 J.)

Michael: Während ich meine Doktorarbeit schrieb waren mir die Ausflüge ins Schwimmbad, Kino etc. mit Senad und seinen Geschwistern eine willkommene Abwechslung und seine bosnische Familie ist sehr herzlich. Von Senad lerne ich seine Direktheit. Und ich bewundere seine Lebenslust und seine Geschicklichkeit. Inzwischen bin ich als Gegenüber mehr und mehr gefordert. Ich nehme Anteil an Senads Leben und freue mich, dass er beginnt Vertrauen in sich selbst zu fassen. Er träumt nicht nur von dicken Autos, sondern nimmt immer mehr seine Schullaufbahn in die Hand.

Senad: Wir leben ohne meinen Vater hier in Deutschland. Michael ist wie ein Onkel für mich – er gehört zur Familie. Wir unternehmen eine Menge zusammen und er unterstützt mich in allen Lebensfragen. Wenn ich z.B. mit den Hausaufgaben nicht weiterkomme, rufe ich ihn an und dann erklärt er mir alles.

Lise (15 J.) & Sabine ( 40 J.)

Lise: Ich habe mich wie eine Schneekönigin gefreut, als Sabine zum ersten Mal zu mir nach Hause kam. Sie hat mir einen wunderschönen Jadearmreifen aus China mitgebracht. Wir haben Momo gelesen, uns unterhalten und Quatsch gemacht. Neulich hat sie einen Halloweenkuchen gebacken. Das Gesicht meiner Mutter hättet ihr sehen sollen, als sie ein blaues Stück Kuchen angeboten bekam! Sabine ist ein wunderbarer Mensch!

Sabine: Lise und ich haben uns vor kurzem auf einem Biffy Teetrinken kennengelernt und mochten uns gleich. Wir haben festgestellt, dass wir viele Gemeinsamkeiten teilen. Z.B. sind wir beide Linkshänderinnen und haben am gleichen Tag Geburtstag. Meine eigenen Töchter haben die Pubertät hinter sich. Lise ist mittendrin. Als Musikerin freue ich mich besonders über Gemeinsamkeiten im Musikgeschmack aber auch in der Literatur. Manchmal nimmt mich Lise ganz schön auf die Schippe! Dann gibt es was zu lachen. Ich bin ganz gespannt, wie sich unsere Freundschaft entwickeln wird.

Nikoline (6 J.) & Iris (54 J.)

Nikoline: Mit Iris unternehme ich immer etwas schönes. Wir machen Quatsch und toben. Ich mag gern, wenn sie auf Kitafeste mitkommt oder mich abholt. Die anderen Kinder haben alle Verwandte, die kommen. Ich habe Iris. Sie ist meine große Freundin!

Iris: Wenn ich im Krankenhaus Frühdienst habe oder auch mal am Wochenende freue ich mich auf gemeinsame Unternehmungen mit Nikoline. Ihre aufgeschlossene und fantasievolle Art reißt mich mit und macht mir viel Freude. Nikoline lebt ansonsten mit ihrer Mutter fast ein wenig isoliert. Ihrer Mutter tut etwas Entlastung gut, nicht zuletzt, um ihre Trennungsgeschichte zu verarbeiten. Und Nikoline genießt die Abwechslung, die ungeteilte Aufmerksamkeit, und dass neben ihrer Mutter noch jemand verbindlich zu ihr steht. Klar, wer braucht das nicht?

Marc (34 J.) & Birk (14 J.)

Marc: Als Programmierer sitze ich den ganzen Tag am Computer. Ich war ein entsetzlicher Sportmuffel. Durch die Patenschaft mit Birk komme ich mal raus aus der Bude – das tut mir gut! Besonders genieße ich die Alltagsmomente. Bei Einkauf und Kuchenbacken kommen wir ins Gespräch. Das freut mich insbesondere, weil Birk anfangs sehr einsilbig war. Jetzt reden wir auch über Probleme. Ich muss sagen, für ein Kind ein Stück Verantwortung zu übernehmen, hat mein Selbstbewußtsein gestärkt.

Birk: Ich lebe in einem reinen Frauenhaushalt. Zu Marc habe ich gleich über das Fußballspielen einen Draht gekriegt. Toll finde ich an ihm, dass er für alles offen ist. Mit ihm habe ich das Gefühl, die Welt steht mir offen. Sogar die Präsidentengattin, Frau Rau, hat uns zu unserer 2 jährigen Patenschaft gratuliert. Marc hilft mir auch bei den Hausaufgaben. Zu meinem letzten Geburtstag hat mich Marc zu einem Hertha uefa-Cup Spiel eingeladen. Das war eine coole Überraschung!

Irene (19 J.) & Ulrika (35 J.)

Irene: Ich lebe allein bei meinem Vater. Mit Ulrika habe ich ganz am Anfang, vor bald 3 Jahren, vor allem Französisch gelernt, weil mir das wichtig war. Mittlerweile spielen wir Federball, gehen ins Kino, zu Lesungen oder einfach zusammen Essen. Vor allem aber unterhalten wir uns. Mal sind es gerade anstehende Themen: Die Wahl meiner Leistungskurse, die Familie, der erste Freund, die Sorge um eine Freundin und so, und oft quatschen wir einfach - wie Freundinnen eben. Aber sie ist mehr: sie redet nicht nach meinem Schnabel, fragt nach, und ich habe von ihr gelernt, dass man unterschiedliche Meinungen haben kann und dass es gut ist, nicht darauf zu verharren, sondern zu versuchen, die Meinung des anderen kennen zu lernen und zu verstehen.

Ulrika: Auf den Treffen mit Irene sprechen wir über Gott und die Welt. Ich bin ganz gerührt, wenn sie mir von dem erzählt, was sie gerade bewegt. Ich versuche dabei, sie nicht zu erziehen oder ihr ständig Ratschläge zu geben, sondern vor allem zuzuhören. Die Treffen mit Irene sind mir zur Herzensangelegenheit geworden – auch weil ich mit ihr merke, wie wichtig es ist, jungen Leuten Selbstvertrauen zu geben. (Media -Expertin)